12. März 2008

Spitzweg-Doppelausstellung am Bodensee


Das Spitzweg-Bild „Mädchen im Gebirge“ um 1860 greift die Themen seines Frauenbildes und der Landschaftsmalerei aus der Sonderausstellung zum 200. Geburtstag des Biedermeier-Künstlers in Radolfzell am Bodensee auf treffende Weise auf. (Foto: Kulturamt Radolfzell)

Spitzweg ist immer noch populär – Sonderausstellung in Radolfzell am Bodensee

Museum und Stadtgalerie zeigen zum 200. Geburtstag besondere Spitzweg-Themen
Im Radolfzeller Stadtmuseum gibt es ein dauerhaft eingerichtetes Spitzweg-Kabinett, über dessen vielseitige Werke ein eigener Katalog informiert. Doch zum 200. Geburtstag des populären Biedermeier-Künstlers präsentiert die Ferienstadt am Bodensee vom 9. Mai bis 3. August 2008 eine einzigartige Doppelausstellung mit Werken, die bisher zum Teil noch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Ergänzend zum Bestand des Museums veranschaulicht man mit Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen die hochinteressante Thematik von Carl Spitzweg und seinem Frauenbild. Obwohl Spitzweg zeitlebens unverheiratet geblieben war, spielten Frauen und Frauenbilder in seinem Leben und Schaffen eine bedeutende Rolle. In den Räumen der städtischen Galerie Villa Bosch geht es um Gärten und Landschaften bei Carl Spitzweg und seinen Malerfreunden. Wohl kaum ein anderer Künstler war damals häufiger und länger in allen bayerischen Regionen auf Malexkursionen als Carl Spitzweg – häufig zusammen mit seinem Malerfreund Eduard Schleich. Dieser Ausstellungsbereich vermittelt mit ergänzenden szenischen Darstellungen etwas von dem damaligen Künstlerleben. Themen also, die Spitzweg aus einer etwas anderen Warte beleuchten und seine vielseitige Begabung widerspiegeln. Und noch etwas passt ideal: Ursprünglich hätte Spitzweg Apotheker werden sollen. Im Stadtmuseum findet sich auch eine komplette Apothekenausstattung aus der Biedermeierzeit, die so ebenfalls einen Bezug zu dem begeisterten Pflanzen- und Kräuterkenner herstellt.

Entgegen dem landläufigen Bild eines eigenbrötlerischen und etwas schrulligen Künstlers war Spitzweg ein weit gereister und sehr gebildeter Mann. Zu der oftmals in seinen Bildern geschilderten kleinbürgerlichen Idylle stand Spitzwegs Weltoffenheit in krassem Gegensatz. Dies kommt auch in sein Frauenbild zum Ausdruck, dem die Sonderausstellung nachspürt. Dabei werden neben Szenen aus seinem persönlichen Umfeld auch Themenbereiche im Zusammenhang mit Spitzwegs Frauendarstellungen wie Studien und Einzelfiguren, sein Frauen-Idealtypus oder Szenen mit Frauengruppen und Liebespaaren aufgegriffen.
Neben ganz Bayern besuchte Spitzweg auch andere Länder, Gegenden und Städte, allen voran das „Sehnsuchtsland“ Italien. Zusammen und im Austausch mit vielen Malerfreunden und Kollegen entstanden zahlreiche Gemälde, Skizzen und Detailzeichnungen, die ein ganzes Universum süddeutscher Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts darbieten. Thematisch befasst sich die Ausstellung mit der Entwicklung dieser Landschaftsmalerei, mit Landschaften und Gartenidyllen bei Spitzweg und seinen Freunden, mit der geliebten Gebirgslandschaft und der „Sehnsucht“ Italien. Neben Arbeiten von Spitzweg sind hierzu in der Villa Bosch auch Werke von Eduard Schleich d.Ä., Carl Rottmann, Heinrich Bürkel, Friedrich Voltz, Anton Braith, Christian Mali und anderen zu sehen. Informationen zu Anfahrt, Öffnungszeiten in beiden Häusern etc. unter: www.radolfzell.de – Stadtmuseum.