30. Juni 2008

Rekord: Affenberg-Team beringt 104 Jungstörche!

30.06.08 - Günstige Wetterbedingungen und gezielte Zufütterung sorgen Adebaren für zahlreichen Nachwuchs.

„So viele Jungstörche wie in diesem Jahr hatten wir seit der Gründung der Storchenstation am Affenberg Salem noch nie“, freut sich Parkleiter Dr. Roland Hilgartner. Seit 1978 wurden am Park und in der Umgebung mehr als 800 Jungstörche beringt. Wie wichtig die Storchenstation für die Wiederansiedlung der Störche im Bodenseeraum und darüber hinaus ist, zeigt ein Blick auf die Daten: Allein in Baden-Württemberg ist bei jedem sechsten Brutpaar ein Storch beteiligt ist, der am Affenberg geboren wurde. Auch aus anderen deutschen Gebieten, aus Frankreich und der Schweiz liegen Meldungen über brütende Affenberg-Störche vor. Die Station ist eingebunden in das Storchenschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg und leistet einen großen Beitrag zur Stabilisierung der Storchenpopulation. Denn in den 70er Jahren war der Weißstorch mit nur noch 15 Brutpaaren fast verschwunden. Hauptursache für den Rückgang war die Verschlechterung der Nahrungsbedingungen durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Trockenlegung der Feuchtgebiete. Durch Zucht, Wiederansiedlung und gezielter Zufütterung von Störchen in Westeuropa konnte sich die Weißstorchpopulation in Baden-Württemberg wieder auf über 300 Brutpaare vergrößern. Auch Renaturierungsmaßnahmen leisten dabei einen wichtigen Beitrag.

„Mit den Informationen zu den Storchenfütterungen möchten wir auch die Parkgäste und Schulklassen für die Bedürfnisse unserer gefiederten Gäste sensibilisieren“, so Hilgartner. „Viele Besucher sehen bei uns zum ersten Mal einen Storch aus nächster Nähe und beim Anblick von manchmal bis zu 40 Störchen während der Fütterung kann man die Gäste leicht für den Schutz von Störchen und die Notwendigkeit von Renaturierungsmaßnahmen gewinnen.“ Durch die Zufütterung versuchen wir das Nahrungsangebot für die Störche insbesondere während der Jungenaufzucht zu verbessern. Mit Erfolg, denn laut der Brutdaten ist an den Horsten des Affenbergareals der Bruterfolg mit drei und manchmal bis zu vier Jungstörchen pro Horst doppelt so hoch wie in den Außenhorsten der Umgebung. „Der dortige Schlupferfolg von im Durchschnitt ca. 1,6 Jungstörchen pro Horst würde für eine stabile Storchenpopulation auf Dauer nicht ausreichen“, so die Storchenexperten. Ein Hinweis auf das ungenügende Nahrungsangebot ist die unterschiedliche Anzahl der Störche bei den Zufütterungen. Speziell während der Jungenaufzucht nutzen auch Störche von weiter entfernten Außenhorsten das zusätzliche Nahrungsangebot am Affenberg.

Neben den Kontakten zu der Vogelwarte Radolfzell und dem Schweizer Institut, das die Vogelzugrouten der mit einem Peilsender versehenen Affenberg-Störchin Maxi auswertet, möchte der engagierte Parkleiter die Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und für die schönen Gleitvögel engagierten Organisationen intensivieren. „Nur wenn wir uns alle gemeinsam für optimale Lebensbedingungen der Weißstörche einsetzen, werden die beliebten Adebare wieder zum natürlichen Bild unserer Städte und Dörfer gehören.“ Schon jetzt können sich die Besucher des Affenbergs Salem über einen Himmel voller Störche freuen. Denn nun beginnt auch der Nachwuchs mit seinen „Jungfernflügen“. Das Fliegen selbst ist angeboren, aber das Starten und Landen will geübt sein und gibt daher so manches Mal Anlass zum Schmunzeln. Ganz aus der Nähe sieht man die anmutigen Vögel bei den Fütterungen an der Storchenwiese jeweils um 11 und um 16.45 Uhr. Beim Damwild darf man täglich um 16.15 Uhr mitfüttern und bei den Berberaffen mit den mittlerweile elf Affenbabys gibt es etwa stündlich interessante Informationen. Die putzmunteren Affen nehmen gerne das gratis ausgeteilte Popcorn aus den Händen der Besucher.


Jens Bizenberger von der Storchenstation Affenberg bei der Beringung
von vier Jungstörchen in schwindelerregender Höhe. Foto: Affenberg